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(Initiative zur Förderung von Sprache und Bildung e.V.)
ISSN 2194-2668


Die Gaste, Ausgabe 28 / August-Oktober 2013

Deutschland muss noch mehr zum Land der Chancen werden
[Almanya Bir Fýrsatlar Ülkesi Olmalýdýr]


Rainer BRÜDERLE
(FDP)

Rainer BRÜDERL




Deutschland ist ein Zuwanderungsland und soll es auch bleiben. Gerade in den letzten 60 Jahren haben Einwanderer, unter ihnen insbesondere Türkischstämmige, die deutsche Gesellschaft mitgeprägt und mitgestaltet. Die Annäherung unterschiedlicher Kulturen aneinander war ein jahrelanger Prozess, der nicht immer ganz reibungslos verlief, aber schließlich alle bereichert hat. Seitdem steht eines fest: Vielfalt ist besser als Einfalt.

Die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund ist eindeutig im Interesse Deutschlands. Gelungene Integration ermöglicht Einwanderern nämlich die volle Verwirklichung ihres Potenzials. Sie leisten dann unverzichtbare Beiträge zur deutschen Gesellschaft. Scheitert Integration hingegen, entstehen Parallelgesellschaften mit eigenen Wert- und Rechtsvorstellungen. Das darf nicht sein. Bei aller Achtung des jeweiligen kulturellen Hintergrunds muss in Deutschland zu leben auch heißen, freiheitliche demokratische Werte zu akzeptieren, das deutsche Rechtssystem anzuerkennen und die deutsche Sprache zu beherrschen.

Das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die überwiegende Mehrheit der Migranten hervorragend in die deutsche Gesellschaft eingegliedert hat. Trotzdem soll in Deutschland allen Menschen die gesellschaftliche Teilhabe möglich sein. Dazu muss der Staat, solange der Integrationsprozess nicht abgeschlossen ist, die richtigen Werkzeuge zur Verfügung stellen. Eigeninitiative seitens der Betroffenen ist unerlässlich und muss von der Politik unterstützt und gefördert werden. In dieser Hinsicht hat man in Deutschland viel zu oft den Wecker nicht gehört und wichtige Chancen verschlafen.

Wir Liberalen glauben grundsätzlich an die Leistungsbereitschaft und den Integrationswillen von Zuwanderern. Denn schon die Entscheidung, die Heimat zu verlassen und auf der Suche nach neuen Chancen in ein fremdes Land zu ziehen, zeugt von Mut und Unternehmungsgeist. Und wer zu Leistung bereit ist, dem soll in Deutschland der Aufstieg nicht erschwert werden.

Bildung ist der Schlüssel zu Aufstieg und Selbstbestimmtheit. Jeder Einwohner unseres Landes hat ein Recht darauf. Es ist dabei aber auch wichtig, die individuellen Bedürfnisse von Einwanderern im Auge zu behalten und besondere Schwierigkeiten gezielt anzugehen. Beispielweise hat die FDP-Fraktion in der Koalition die Sprachförderung von Kindern aus Migrantenfamilien mit 400 Millionen Euro und 4.000 Schwerpunkt-Kitas durchgesetzt. Gerade in der frühkindlichen Sprachförderung muss künftig aber auch noch mehr auf Zusammenarbeit mit den Eltern gesetzt werden. Dazu wird es nötig sein, mehr Erzieher mit interkulturellen Kompetenzen auszubilden und bei Einwandererfamilien stärker für den Kita-Besuch zu werben.

Auch Erwachsene können häufig wegen mangelnden Sprachkenntnissen nicht die ihnen offenstehenden Chancen ergreifen. Deswegen hat die Bundesregierung im letzten Jahr mehr als 200 Millionen Euro in Integrationskurse investiert. Unser Ziel für die kommenden Jahre geht aber darüber hinaus. Die FDP will Integrationskurse für noch mehr Menschen öffnen, beispielsweise für Asylberechtigte und geduldete Flüchtlinge. Sie sollen als erprobtes Werkzeug mehr Migranten zugänglich sein.

Durch Arbeit entfalten und verwirklichen sich Menschen. Zuwanderer haben sich in Deutschland oft durch großen Fleiß ausgezeichnet. Trotzdem sind Menschen mit Migrationshintergrund bei den Arbeitslosen überrepräsentiert. Diese Menschen wollen wir in Zukunft besser einbinden. Denn die Arbeit von Einwanderern stellt einen zentralen Baustein für den Erfolg und die Zukunftsfähigkeit unserer Wirtschaft dar.

Dazu muss der Übergang von Schule zu Ausbildung durch eine bessere Berufsorientierung, zum Beispiel mithilfe von Berufslotsen, erleichtert werden. Auch die Arbeit von Ausbildungsakquisiteuren hat in der Vergangenheit erfolgreich zwischen Jugendlichen mit Migrationshintergrund und Unternehmen vermittelt. Solche Lösungen wollen wir auf Bundesebene ausbauen.

Aktuell steht Deutschland vor der Herausforderung, eine attraktive Zuwanderungspolitik zu gestalten. Nur, wenn wir qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland zu uns holen können, können wir das Wachstum unserer Wirtschaft sichern. Die Liberalen sind mit der Einführung der Blauen Karte schon einen wichtigen Schritt gegangen. Außerdem beseitigen die neuen Anerkennungsgesetze undurchsichtiges bürokratisches Gestrüpp aus dem Einwanderungsverfahren. Die Anerkennung von ausländischen Bildungsabschlüssen wurde dadurch erleichtert und transparent gemacht.

Deutschland muss noch mehr ein Land der Chancen werden. Ein Land, in dem man an und durch Vielfalt wächst. Ein Land, in dem nicht zählt, woher man kommt, sondern was man bereit ist, zu leisten. Liberale Integrationspolitik schafft ein solches Land. Menschen mit Migrationshintergrund wollen wir nicht vom Staat abhängig machen, sondern mit Werkzeugen, die Eigeninitiative und Leistungsbereitschaft bestärken, dazu ermutigen, Chancen für sich zu schaffen und zu ergreifen.